Gerade erst hat die Italienerin Ilaria Lanzino in Dortmund den Mythos Don Giovanni in Wolfgang Amadeus Mozarts unsterblicher Oper herausgearbeitet. Jetzt wagt sich die aus Verona stammende Regisseurin Cecilia Ligorio in Köln an eine Interpretation des Don-Juan-Stoffs. Sie ist in Köln keine Unbekannte: Mit Gioachino Rossinis „La Cenerentola“ erntete sie bei ihrem fulminanten Deutschland-Debüt begeisterte Kritik. Grund genug also, ihrem „Don Giovanni“ mit Interesse entgegenzusehen. Es ist bereits ihre zweite Inszenierung, seit sie 2005 mit der Arbeit am Musiktheater begann.
Auch Ligorio wird der Frage nachgehen, die in 400 Jahren Theatergeschichte und durch Philosophen und Literaten nie befriedigend beantwortet wurde: Wer ist dieser Don Juan, dieser Verführer, Wüstling, Lebemann? Tirso de Molina, der Mönch, der eines der ersten Don-Juan-Schauspiele schrieb, nennt ihn einen „burlador“, einen Spieler und Spötter, der aber auch jemand sein kann, der die Masken und Tarnungen der Menschen durchschaut.
Mozart schrieb ihm keine Arie, in der er über sich und sein Handeln reflektiert; die berühmte „Champagnerarie“ lässt ebenso wenig in sein Inneres blicken wie das verlogene Ständchen, mit dem er das Kammermädchen der enttäuschten und verlassenen Donna Elvira zu verführen versucht. Und im bezaubernden Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“, spiegelt Don Giovanni lediglich den Ton des Bauernmädchens Zerlina wider, um sie zu bestricken.
„Don Giovanni ist eine Figur ohne Bewusstsein. Er ist das Prinzip, das die menschlichen Fragen nach Gut und Böse, Lust und Pflicht, Grenzüberschreitung und Strafe aufwirft“, heißt es auf der Webseite der Oper Köln – eine treffende Beschreibung für eine Figur, die erst durch das Eingreifen transzendenter Mächte in ihrem zerstörerischen und zugleich faszinierenden Wirken gestoppt wird.
Am Pult des Gürzenich-Orchesters ist der tschechische Dirigent Tomáš Netopil zu erleben, der neun Jahre lang Generalmusikdirektor des Aalto-Theaters und der Philharmoniker in Essen war. Die Titelrolle singt der amerikanische Bassbariton Seth Carico, der als Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin dort – wie am Aalto-Theater Essen – bereits Leporello gesungen hat und als Don Giovanni an der Minnesota Opera zu hören war.
Don Giovanni | 9. (P), 12., 14., 16., 20., 22., 26., 28., 30.3., 6.4. | Oper Köln | 0221 221 284 00
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