Wahlen sind nicht das einzige Kriterium dafür, dass ein Volk sich selbst regiert. Sie müssen auch frei sein, und die Kandidaten müssen ein Spektrum an möglichen politischen Einstellungen abbilden. Vor allem aber müssen die gewählten Volksvertreter nach der Wahl wirklich dem Volkswillen dienen und dürfen keinen anderen Motiven folgen. Man muss also fragen: Wie demokratisch ist Deutschland? Ein paar Nummern kleiner stellt sich diese Frage auch auf kommunaler Ebene: Wer regiert die Bürger einer Stadt? Sind sie es selbst, oder werden sie von Leuten regiert, die sich selbst nicht mehr als Bürger fühlen? Die „Wählergemeinschaft für Wuppertal“ (WfW) stellt in Abrede, dass sich die Politiker der beiden regierenden Parteien im Wuppertaler Stadtrat, CDU und SPD, noch allzu sehr mit dem einfachen Bürger verbunden fühlen. Auf der Homepage der WfW heißt es: „Die beiden großen Fraktionen im Rat handeln nahezu alle wichtigen Entscheidungen über unsere Stadt ohne Öffentlichkeit aus.“ Weitere Vorwürfe an die Wuppertaler Regierung: Sie betreibe eine „diskussionslose Machtpolitik“, die zu „kurzfristigen und an Partikularinteressen ausgerichteten Entscheidungen“ führe und verschwende Geld für Prestigeprojekte. Die Folge dieser Art von Politik sei auf Bürgerseite eine wachsende „Apathie“.
Dorothea Glauner verließ die CDU und will niemals wieder in eine Partei eintreten
Dorothea Glauner kann dieser Grundsatzkritik nur beipflichten. Im Jahr 2011 kehrte das damalige Mitglied der CDU-Ratsfraktion ihrer eigenen Partei den Rücken. Zusammen mit acht weiteren CDU-Stadtverordneten gründete sie die „Christlich Demokratischen Bürger“ (CDB), um gegen den „undemokratischen, selbstherrlichen Führungsstil“ von Fraktionschef Bernhard Simon zu protestieren. Auf Vermittlung von Wolfgang Bosbach näherte man sich der CDU zwar kurzzeitig noch einmal an, doch als ein Parteitagsbeschluss ignoriert wurde, der den Ausschluss von Simon initiieren sollte, reichte es Dorothea Glauner. Sie verließ die CDU und hat auch nicht vor, jemals wieder in eine Partei einzutreten. Resigniert hat sie trotzdem nicht, denn das Schicksal ihrer Heimatstadt Wuppertal liegt ihr immer noch sehr am Herzen. Aktuell stellt sie zusammen mit Gisela Schlüter eine Ratsgruppe, bei der nächsten Kommunalwahl wollen sich die beiden der WfW – keine Partei, sondern ein Verein! – anschließen. Es gehe nicht, dass der Bürger nur schimpft, sich selbst aber nicht politisch engagiert, so Dorothea Glauner. Die Gründe für ihr Zerwürfnis mit der CDU sieht sie zwar als einen regionalen Einzelfall, der sich nicht verallgemeinern lasse. Dennoch beurteilt sie auch die Landes- und Bundespolitik kritisch. Zum Teil abgehobene und arrogante Politiker hätten den Kontakt zur Basis und damit zum Bürger verloren. Die Folge sei eine Politik, bei der das Schicksal von Städten wie Wuppertal keine Rolle spiele. Auch von den deutschen Bürgern wünscht sie sich daher mehr Einmischung.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.
Schlechte Gesellschaft
Christoph Butterwegge über Politik und Entpolitisierung – Thema 09/13 Welche Wahl
Wahl der Qual
Die Bundestagswahl wirft ihre Schatten voraus – THEMA 09/13 WELCHE WAHL
„Die Diskussion steht mir bis hier“
Im exklusiven engels-Sommerinterview spricht die fast originale Angela Merkel über heikle Themen – Thema 09/13 Welche Wahl
„Jedes Land macht sein eigenes Europa“
„Kursbuch“-Herausgeber Armin Nassehi über die europäische Öffentlichkeit – Thema 09/13 Welche Wahl
Leider verwählt ...
Über Talkshows, Hütchenspiele und frisch gepresste Thronfolger Thema 09/13 Welche Wahl
„Demokratie ist manchmal wie Hausarbeit“
Hermann Ott über Licht- und Schattenseiten im Parlamentarismus – Thema 09/13 Welche Wahlen
Ein Zeichen setzen
Prominente Stimmen aus dem Tal über die Bundestagswahlen im September – Thema 09/13 Welche Wahl
„Direkte Demokratie muss kein institutionalisierter Stammtisch sein“
Hans J. Lietzmann über neue Formen demokratischer Beteiligung – Thema 09/13
Zum Wohl!
Intro – Rausch im Glück
Konsum außer Kontrolle
Teil 1: Leitartikel – Was uns zum ständigen Kaufen treibt
„Dann übernimmt das Lusthirn“
Teil 1: Interview – Psychotherapeutin Nadine Farronato über Kaufsucht
Teufelskreis im virtuellen Warenkorb
Teil 1: Lokale Initiativen – Die Caritas-Suchthilfe hilt auch bei Kaufsucht weiter
Lebensqualität gegen Abwärtsspirale
Teil 2: Leitartikel – Drogensucht ist kein Einzelschicksal, sie hat gesellschaftliche Ursachen
„Wir haben das Recht auf Rausch“
Teil 2: Interview – Mediziner Gernot Rücker über die Legalisierung von Drogen
Zwischen Blüte und Bürokratie
Teil 2: Lokale Initiativen – Der Cannabas-Club e.V. und der neue Umgang mit Cannabis
Gute Zeiten für Verführer
Teil 3: Leitartikel – Das Spiel mit dem Glücksspiel
„Ich vermisse die Stimme der Betroffenen“
Teil 3: Interview – Psychologe Tobias Hayer über Glücksspielsucht
Suchthilfe aus der Ferne
Teil 3: Lokale Initiativen – Online-Projekt des Evangelischen Blauen Kreuzes in NRW hilft Abhängigen
Ausgespielt!
Spielautomaten aus Kleinstädten verbannt – Europa-Vorbild: Rumänien
German Normalo
Zwischen Selbstoptimierung und Abhängigkeit – Glosse
Panzer vs. Schulen
Intro – Kriegszitterer
Multipolare Wirklichkeit
Teil 1: Leitartikel – Der Abstieg des Westens und der Aufstieg des BRICS-Bündnisses
„Zunehmende Unglaubwürdigkeit des Westens“
Teil 1: Interview – Politologe Ulrich Brand über geopolitische Umwälzungen und internationale Politik
Welt am Wendepunkt
Teil 1: Lokale Initiativen – Soziologe Joris Steg über Chancen und Risiken einer neuen Weltordnung
Ausgebeutet und gegeneinander aufgehetzt
Teil 2: Leitartikel – Wie der Westen Afrika in die Dauerkrise gestürzt hat