Zweifellos kann David Friedman als eine lebende Legende bezeichnet werden. Ellenlang ist die Liste an Musikern, mit denen der Vibraphonist zusammengearbeitet hat. Auf dem Gebiet der ernsten Musik sind es etwa Komponisten wie Luciano Berio und Leonard Bernstein. In aller Munde waren und sind Wayne Shorter, Ron Carter, John Scofield, Chet Baker, Jasper van’t Hof, John Taylor, Jeff Buckley, Pat Metheny und, und, und. Auf zig Alben ist er verewigt. In Deutschland verdiente er sich ab 1989 als Professor für Vibraphon und Komposition an der Berliner Universität der Künste bis zu seiner Emeritierung anno 2012 große Meriten. Er gründete dort das Jazz-Institut Berlin. Sein Buch „Vibraphone Technique, Dampening and Pedaling“ gilt als die Bibel der Mallet-Lehrbücher. Mallet ist der Sammelbegriff für die mit Schlägeln gespielten Instrumente Xylophon, Glockenspiel, Marimba und Vibraphon, Röhrenglocken und Crotales.
Drei Generationen
Im Jahr 2017 versammelte er zwei Kollegen um sich: den Kontrabassisten Oliver Potratz und Schlagzeuger Tilo Weber. Beide haben in der Szene einen ausgezeichneten Ruf. Potratz, Jahrgang 1973, ist weltweit unterwegs und arbeitete mit Tomasz Stańko, Rolf Kühn oder dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin zusammen. Weber, der 1990 das Licht der Welt erblickte, war bereits Partner von Peter Brötzmann, Rudi Mahall oder Greg Cohan. Am 10. März ist Friedman 80 Jahre alt geworden. Passend zu den großen Altersunterschieden haben sie sich auf den Namen „David Friedman Generations Trio“ getauft.
Derzeit befindet sich das Trio, passend zu Friedmans rundem Geburtstag, auf „80th Anniversary Tour“ und macht auf Wuppertals Insel Zwischenstation. Alte und neue Stücke aus Friedmans Feder hat es mit im Gepäck, womit die drei Vollblutmusiker begeistern. 2018 kam das Album „Thursday“ auf den Markt. Daraus werden „Turn Left“ und „Thursday Session“ präsentiert. „3+1=5“, die McCoy Tyner-Komposition „You Taught My Heart To Sing“, „Surge Of Silence Part 2“ und „Semblance Of Serenity” lauten die Titel der letztes Jahr veröffentlichten Scheibe „Surge Of Silence“. Los geht es mit einer laut Friedman „spontanen Komposition“, die als solche kaum wahrnehmbar ist. Denn wie fest notiert hören sich die Themenköpfe an, die kreativ weiterentwickelt beziehungsweise variiert werden.
Endlich ein Einsehen
Wie Friedman gehen Potratz und Weber meisterhaft mit ihren Instrumenten um, brillieren bei ihren Soli mit spielerisch leicht wirkender Virtuosität, die keine Wünsche offen lässt. Basierend auf tradierten Jazzstilen bieten sie eine Mischung an groovender, rockiger, funky-angehauchter, swingender, ruhig fließender, sphärenhafter Musik mit einem Bebop-Touch, die intensiv, dicht spannungsgeladen von der Bühne kommt. Dabei glänzen die Musiker mit einem blinden Verständnis füreinander, reagieren kongenial auf wie unverhofft daherkommenden komplexen rhythmischen Änderungen oder Themenwechseln, die sie wesensgleich übernehmen und zu neuen Ufern führen.
Folgerichtig ist das Publikum schließlich ganz aus dem Häuschen. Der frenetische Beifall ebbt nicht ab. Man will die Musiker nicht von der Bühne entlassen. Erst nach einer brillanten Solo-Zugabe Friedmans und einem unmissverständlichen, freundlichen Abschiedswinken des Trios gibt es ein Einsehen.
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